Am 28. Juni 2026 führte Kantorin Annette Wagner mit dem Kinderchor Kupferdreh das Kindermusical „Bileam und seine gottesfürchtige Eselin“ auf. Darin hat der Komponist Gerd-Peter Münden die Geschichte Bileams aus dem 4. Buch Mose (Kapitel 22 bis 24) für einstimmigen Kinderchor, Sprecherin und ein Instrumentaltrio aus Violine, Klarinette und Klavier vertont. Der Text stammt von Klaus-Peter Hertzsch.
Die Geschichte
Nach dem Auszug aus der ägyptischen Knechtschaft ist das Volk Israel unter der Führung Moses auf dem Weg in das Gelobte Land. Schließlich gelangt es in die Gegend der Moabiter. Moab lag östlich des Toten Meeres und ging im Osten in die arabische Wüste über. Der dortige Herrscher, König Balak, gerät angesichts der großen Zahl der Israeliten in Panik.
Zu dieser Zeit lebt ein berühmter Seher namens Bileam. Balak versucht, ihn mit Geld, Ruhm und Ehre dazu zu bewegen, das Volk Israel zu verfluchen, damit er es leichter besiegen könne. Nachdem Bileam die erste Einladung auf Gottes Weisung hin abgelehnt hat, erlaubt Gott ihm schließlich, mit Balaks Boten zu ziehen. Allerdings soll Bileam nur das tun und sagen, was Gott ihm aufträgt.
Bileam macht sich auf seiner Eselin auf den Weg zu Balak. Unterwegs stellt sich ihnen ein zunächst nur für die Eselin sichtbarer Engel Gottes mit gezogenem Schwert entgegen. Beim ersten Mal weicht die Eselin ins Feld aus, beim zweiten Mal drängt sie sich an eine Mauer und beim dritten Mal legt sie sich auf den Boden. Bileam erkennt Gottes Zeichen nicht. Er gibt der vermeintlich störrischen Eselin die Schuld an der Verzögerung und schlägt das Tier voller Zorn.
Daraufhin beginnt die Eselin zu sprechen und beschwert sich über die Schläge. Nun öffnet Gott auch Bileam die Augen, sodass er den Engel sieht. Bileam versteht, dass die Eselin ihn nicht ärgern wollte, sondern ihm das Leben gerettet hat. Der Engel weist ihn zurecht und erlaubt ihm weiterzuziehen – unter der Bedingung, dass er ausschließlich das verkündet, was Gott ihm aufträgt. So zieht Bileam weiter zu König Balak, spricht aber statt des geforderten Fluchs mehrfach Gottes Segen über das Volk Israel aus.
Die Aufführung
Annette Wagner probte das Musical seit den Osterferien mit dem Kinderchor ein. Vor der Aufführung fand in der Kirche lediglich eine Generalprobe mit allen Beteiligten statt. Auch die Gemeinde wurde mit einbezogen: Vor Beginn des Gottesdienstes übte Frau Wagner mit den anwesenden Besucherinnen und Besuchern einige Lieder ein, die während des Musicals gemeinsam gesungen werden sollten. Es war wahrlich eine Herkulesaufgabe, die Annette Wagner und alle weiteren Beteiligten trotz des unvermeidlichen Premierenfiebers bravourös meisterten.
Gerd-Peter Münden hat das Stück in der Art eines szenischen Oratoriums in elf Bildern angelegt. Das Instrumentaltrio mit Eike Meyer (Violine), Robert Beck (Klarinette) und Winni Slüters (Klavier) begleitet den Chor sowie die Solopartien und gestaltet die Zwischenmusiken.
Musikalisch hat es das Werk durchaus in sich. Münden hat eine sehr bildhafte und atmosphärisch dichte Musik komponiert, die mit ihren ungeraden Taktarten sowie ihren Anklängen an Klezmer und moderne Musik stellenweise an Filmmusik erinnert. Gemeinsam mit dem Texter Klaus-Peter Hertzsch hat er eine für Kinder eingängige und gut einprägsame Melodienwelt geschaffen. Häufig kommentiert die Musik den Text oder bereitet einzelne Textpassagen und Solopartien vor. Sie begleitet die Chorpassagen oder lässt in den instrumentalen Zwischenspielen allein durch die Kraft der Melodien Bilder im Kopf entstehen.
Kantorin Annette Wagner hat diese Vorlage mit dem Kinderchor wunderbar einstudiert und eine Inszenierung für den Raum der Christuskirche entwickelt. Was leicht und selbstverständlich wirkt, spielt sich dennoch nicht von selbst, sondern erfordert ein hohes Maß an Koordination und Präzision. Die Inszenierung nutzt die Möglichkeiten des Kirchenraums und schafft mit einfachen Requisiten sowie räumlichen Verlagerungen der Handlung ein kurzweiliges und stimmiges Aufführungsformat, das Annette Wagner souverän leitete und dirigierte. Zwei Handmikrofone, die zwischen den Mitwirkenden weitergereicht wurden, sorgten dafür, dass auch leisere und zurückhaltendere Stimmen gut zu verstehen waren.
Die Mitwirkenden
Der Eingangschor umreißt die Geschichte der Wanderung. Unter den Israeliten macht sich eine gewisse Erschöpfung breit, und Mose, gespielt von Tim Benneke, muss dem Volk Mut zusprechen. Annelie Kern-Bontke erzählt den weiteren Verlauf der Geschichte von der Kanzel aus und greift gegen Ende der Aufführung selbst noch zur Blockflöte. Anschließend wechseln sich Chor, Solopartien und Sprecherin ab.
Zwischendurch werden die Zuschauerinnen und Zuschauer um Unterstützung gebeten und singen mehrere Lieder mit. In Bileams Lobgesang müssen sie sogar einen 5/4-Takt meistern. Auf diese Weise wird die Gemeinde ganz selbstverständlich in die Inszenierung eingebunden.
Rechts am Balkon hängt ein von Melissa McCauley gemalter Prospekt, der eine Hügellandschaft zeigt. Auf diesen Hügeln sind immer wieder die Späher und Ritter zu sehen, gespielt von Lasse Schulz und Julian Schulte. Rechts im Altarraum hängt ein Prospekt, den die Kinder der Kinderbibelwoche 2024 gestaltet haben. Er zeigt den Palast Balaks. Dort residiert König Balak, gespielt von Jakob Giebelstein, mit seinen Leuten und seinem Diener, dargestellt von David Voß.
Ganz links lagern die Israeliten. Ein Zelt und eine Palme kennzeichnen das Lager, vor dem ein israelitisches Mädchen sitzt, gespielt von Shonaya Gupta. Die Schlüsselszene findet auf halbem Weg zum Altar im Mittelgang zwischen den Kirchenbänken statt. Hier trifft Bileam, gespielt von Greta Giebelstein, mit seiner Eselin, dargestellt von Josefine Faust, auf den für ihn zunächst unsichtbaren Engel, gespielt von Sofia Schulz.
Dabei entsteht ein sehr schönes Bild: Bileam trägt eine rote Tunika. Josefine Faust verwandelt sich mithilfe eines grauen Umhangs und zweier aufgesetzter Eselsohren im Handumdrehen in die Eselin. Sofia Schulz wird durch ein weißes Kleid, zwei kleine Flügel und einen aufgesteckten Heiligenschein zum Engel.
Ein gelungener Abschluss
Nachdem Gott Bileam die Augen geöffnet hat und dieser den Segen Gottes verkündet, singen Kinderchor und Gemeinde gemeinsam das Schlusslied des Musicals: „Wie schön leuchtet der Morgenstern, voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, die süße Wurzel Jesse“. Als Zugabe verabschieden sich alle gemeinsam mit dem Lied „Hevenu Shalom Alechem“. Beseelt von der gelungenen Aufführung verlassen die Besucherinnen und Besucher anschließend die Christuskirche.
Der Kinderchor traf sich regelmäßig montags zu den Proben für die Aufführung. In den kommenden Herbstferien soll erneut eine Kinderbibelwoche stattfinden, bei der auch ein neues Singspiel einstudiert werden soll. Termin und Thema stehen derzeit noch nicht fest.
Bernd Zinsius

