Aus der Gemeinde – in der Gemeinde
Fremde besuchen – aus Dankbarkeit.
Das hört sich erst mal komisch an. Ist es aber nicht.
Mein Glück ist es, eine ereignisreiche Woche haben zu dürfen und diese auch noch dankbar zu genießen.
Gerade diese Dankbarkeit hat mich dazu gebracht, ein bisschen meiner Zeit für andere da zu sein.
Für Mitmenschen, die nicht mehr so viel Gesellschaft erleben. Und das sind vor allem unsere alten Senioren.
Trotzdem: Es ist schon etwas komisch, bei wildfremden Leuten zu schellen und dann zu warten, ob man Schritte von innen hört und ob dann die Tür einen Spalt geöffnet wird; oder man durch die Sprechanlage gefragt wird: „Wer ist denn da?“
Aber wenn ich dann mutig und voller Überzeugung sage: Ich komme von der evangelischen Kirchengemeinde und möchte Ihnen zum Geburtstag gratulieren, ist mir noch immer geöffnet worden. Und nach dem ersten „Hallo“ und dem Überbringen der Segenswünsche sowie dem Glückwunschheft der Kirche bitten mich doch viele hereinzukommen.
Manche Gratulation ist kurz und knapp, aber bei den meisten erlebe ich dann bei einem Kaffee, einem Glas Wasser oder manchmal auch einem Gläschen Sekt schöne gemeinsame Zeit.
Mit der Frage „Wie geht es Ihnen jetzt mit 84 (oder …?) Jahren?“ eröffnet sich immer ein Gespräch, und dann höre ich erst mal genau hin! Aber bald springen wir von einem Thema zum nächsten.
Ob es die große Baustelle in Kupferdreh ist oder der schön angelegte Deilbach oder das Rezept für die Erbsensuppe von meiner Oma, der Hund, die Katze, der Vogel oder wie Rot-Weiß Essen gespielt hat – bei sehr stillen Menschen ist es aber auch manchmal schwierig, in einen Gesprächsfluss zu kommen.
Aber mit einer Frage zum früheren Beruf, Ehepartner, zu Kindern, Enkeln oder sogar schon Urenkeln habe ich immer einen Impuls geben können.
Die Themen, über die wir dann plaudern, sind egal. Ich merke und fühle, dass sich die alten Leute freuen, dass überhaupt jemand zu ihnen kommt.
Ganz oft kommt auch eine Bemerkung:
„Ich bin ja nicht so ein Kirchgänger.“
Oder:
„Um unsere Kirche stand es ja auch schon mal besser, aber dass ich aus der Gemeinde Besuch zu meinem Geburtstag bekomme – das freut mich sehr.“
Wenn ich so etwas höre, tut es auch mir gut und ich bin froh und glücklich, diesen Besuch gemacht zu haben. Und dann traue ich mich auch beim Verabschieden, meinem „Geburtstagskind“ den Segen Gottes für das neue Lebensjahr zuzusprechen.
Als ganz kleinen Abschiedsgruß schenke ich Ihnen ein Gläschen selbst gemachte Marmelade. Dann bekomme ich für mich ein „Abschieds-Lächeln“ – und ich weiß: Solange die Marmelade aufs Brot kommt, erinnern sie sich an den Besuch aus der Kirchengemeinde und freuen sich jeden Morgen neu daran.
Ich mache diesen Dienst gerne und frage mich oft auf meinem Heimweg:
„Wem hat dieser Besuch mehr gut getan – dem Geburtstagskind oder mir?“
Mit frohem Gruß
Petra Riehl
