Wenn die Sonne tief steht und durch die Fenster der Apsis in die Friedhofskapelle scheint, leuchten die abgebildeten Personen im warmen Licht und die Kapelle wird in eine eigenartige Stimmung getaucht.

Rosette über der ehemaligen Eingangstür der Kapelle

Seitenfenster der Kapelle

Matthäus
Auf den Fenstern sind Darstellungen der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zu sehen. Sie werden in der Bibel als die Verfasser der vier Evangelien genannt. Es sind Phantasieportraits, die natürlich keinen Anhalt an der Wirklichkeit haben, heldische Gestalten mit kühn in die Ferne gerichtetem Blick und bei Lukas mit geradezu definiertem Bizeps. Jeder mit einem Buch – „seinem“ Evangelium – in der Hand.

Markus
Umrahmt mit reichen Ornamenten, die auf uns heute vielleicht etwas überladen wirken. Wie Statuen oder Denkmäler auf einer Art Sockel stehen sie da. Man kann nur mutmaßen, was der Künstler damit sagen wollte. Heute ist dieses Motiv aus der Kunst verschwunden.

Lukas
Jedem Evangelisten sind Symbole zugeordnet, die auf dem Sockel unter den Füßen zu sehen sind:
Matthäus ist ein geflügelter Mensch zugeordnet, Markus ein geflügelter Löwe, Lukas ein geflügelter Stier und Johannes ein Adler.
Die Symbole beziehen sich auf eine Vision in der Offenbarung des Johannes (Kapitel 4, 7), wo diese Gestalten vorkommen:
„Und das erste Wesen war gleich einem Löwen, und das zweite Wesen war gleich einem Stier, und das dritte Wesen hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und das vierte Wesen war gleich einem fliegenden Adler.“

Johannes
Solche „heldischen“ Darstellungen der Evangelisten waren damals, in der Gründerzeit, offensichtlich weit verbreitet. Die Ähnlichkeiten beispielsweise zu den „Evangelisten“-Fenstern im Kölner Dom sind verblüffend.
Wie schnell sich allerdings dann der Geschmack gewandelt hat, zeigt ein Blick auf die wenige Jahrzehnte später entstandenen Seitenfenster des alten Kapellenteils. Das ist reiner Jugendstil. Schlichte florale Ornamente, die auch nach über 100 Jahren noch ansprechend wirken.
Zwei weitere Glasfenster aus der Christuskirche wurden nicht in die Kapelle eingebaut, sondern in einer Nebenkammer eingelagert. Dort stehen sie noch. Wohlerhalten warten sie nur darauf, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden. Auf einem von den beiden Fenstern ist die Segnung der Kinder durch Jesus dargestellt.

